Im Madrider Prado steht diese Darstellung der Anbetung der Heiligen drei Könige. Die stattlichen Männer erweisen dem frühreifen (selbst sitzenden) Jesus ihre Ehrerbietung. Den Platz an Marias Seite nimmt nicht etwa ihr Mann, sondern ein Esel ein. „Josef ist ein Esel, Josef ist ein Esel!“ Mit diesen Worten mögen Kinder vergangener Zeiten um das Altarbild herumgetollt sein. Und in der Tat: Josef hockt im Hintergrund, zusammengekauert am Feuer unter einem schäbigen Vordach. Hieronymus Bosch treibt die Demontage Josefs auf die Spitze. Er hat ihn aus der Krippenszene ausquartiert und zum Windelnwaschen angestellt! 

Wie konnte es nur soweit kommen, dass Josef, der „Sohn Davids“ (Matthäus 1,20), aus der Grundgeschichte des Christentums ausgeschieden wurde? Hat es die christliche (von Männern dominierte) Tradition nicht verwinden können, dass Josef seiner Verlobten ihre Affäre mit dem Heiligen Geist einfach durchgehen ließ? Konnte sie es nicht ertragen, dass hier ein Mann nur eine Nebenrolle spielte? Musste sie ihn verunglimpfen, weil er sich nicht durchsetzte wie ein Josef Ackermann oder ein Joseph („Joschka“) Fischer?

Dabei ist Josef ein durch und durch bemerkenswerter Mann, obwohl von ihm – anders als von seinem Adoptivsohn – kein einziger Satz überliefert ist. Er hat die große Kränkung – eine schwangere Verlobte – großherzig überwunden. Er hat Maria und ihr künftiges Kind in seine königliche Abstammung einbezogen und beiden damit ein respektiertes Leben ermöglicht. Diese Leistung wird nicht dadurch geschmälert, dass sie einem himmlischen Input folgte. Sich etwas sagen lassen können ist eine weitere Qualität dieses erstaunlichen Mannes.