(Bildrechte: Andreas Praefcke; https://creativecommons.org/licenses/by/3.0/legalcode)

Wer über die Bamberger Domstraße an St. Peter und Georg vorbeiläuft, dem streckt die Christusfigur über dem Fürstenportal segnend die Hände entgegen. Sie lädt zum Verweilen und Eintreten ein – leider wird diese Tür nur noch zu besonderen Anlässen geöffnet.

Ganz nebenbei positioniert sich der Bildhauer aus dem 13. Jahrhundert in einer damals heiß umstrittenen Frage, nämlich ob Jesus je gelacht habe und ob das seinen Nachfolgern gut anstehe.

Nach der gängigen Lehrmeinung sah man das Lachen eher kritisch. Johannes Chrysostomos hatte die Meinung vertreten, Jesus habe nicht gelacht, und seine Jünger sollten eher weinen und so ihre Bußfertigkeit ausdrücken. Benedikt von Nursia warnte in seiner Mönchsregel gleich mehrfach vor dem Lachen. Dem pflichtet Jorge von Burgos, der blinde Bibliothekar aus Umberto Ecos „Der Name der Rose“ bei: „Das Lachen dagegen schüttelt den Körper, entstellt die Gesichtszüge und macht die Menschen den Affen gleich.“

Eine Ausnahme bildete Franz von Assisi: „Zeigt in allen Leiden und denen gegenüber, die euch quälen, ein lächelndes Gesicht“.

Die Szene über dem Portal ist zweigeteilt – und auf beiden Seiten wird gelacht. Die Gruppe auf der rechten Seite wirkt amüsiert, doch ihr Lachen ist verkrampft und gekünstelt. Ihr Problem: Sie schauen den Betrachter an, sehen die Auslagen in den Geschäften und das bunte Treiben, doch den segnenden Christus sehen sie nicht.

Wie anders die linke Gruppe: Sie lachen befreit und vergnügt. Sie lachen, weil sie gesegnet sind. Ihr Blick ist auf Christus gerichtet, die Quelle ihrer Freude.

„Ich bin vergnügt, erlöst, befreit. Gott nahm in seine Hände meine Zeit.“

Hanns Dieter Hüsch