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Team-Kompass

Der Team-Kompass bildet übersichtlich ab, wo ich im Team stehe. Aufgrund der graphischen Ergebnissicherung können die Fragebögen direkt im Team ausgewertet werden (Anleitung für ehrenamtliche Teams kostenfrei erhältlich).

„Was ist Wahrheit?“

Lovis Corinth „Ecce Homo“

Es ist einer der heimlichen Höhepunkte der Passionsgeschichte, die nur das Johannesevangelium überliefert. Jesus steht vor dem Präfekten Pontius Pilatus und wird nach seiner Profession gefragt. Er antwortet, er habe die Aufgabe die Wahrheit zu bezeugen, worauf der römische Machtmensch antwortet: „Was ist Wahrheit?“

Zugegeben, wir wissen nicht wirklich, was Pilatus damit sagen wollte. Bei einem lebenden Gesprächspartner könnten wir nachfragen und sollten es auch tun. Wir unterstellen nun einfach, Pilatus wollte mit seiner Frage die Erkennbarkeit oder gar die Existenz von Wahrheit bezweifeln. In der Tat darf man vermuten, der Römer war schon so manchem Wahrheitsanspruch begegnet. Sein Beruf konfrontierte ihn ja unentwegt mit widerstreitenden politischen, kulturellen und religiösen Gewissheiten. 

Von Amts wegen oblag ihm die Deutungshoheit der Wirklichkeit. Im Fall des angeklagten Jesus behandelte er ihn letztlich so, als sei er ein politischer Aufrührer, ein Urteil aus Gründen der Staatsraison und gegen seinen persönlichen Eindruck von diesem Mann.

Den beugenden Umgang mit der Wahrheit haben also weder der russische noch der ehemalige amerikanische Präsident erfunden. Wahrheit? Was ist Wahrheit? Am Ende geht es um Positionen, die auf Interessen beruhen, und ihre Vermarktung oder – in einer Diktatur – ihre Durchsetzung.

Wenn das Muster so alt ist, warum empören wir uns überhaupt noch, wenn jemand ohne stichhaltigen Grund eine Wahl als „gestohlen“ bezeichnet? Oder – um sich nicht nur am Kuriosen zu weiden –  warum beunruhigt uns noch, dass in der Frage der Bewältigungsstrategien gegen eine Pandemie nur eine kleine, handverlesene Gruppe von Experten zu Wort kommt?

Wir sind überzeugt oder waren es jedenfalls, dass in einer freiheitlichen Ordnung die Wahrheit am Ende rauskommt und siegt. Wir meinten, dass die öffentliche Lüge eine Ausnahme sei und letztlich scheitern müsse. Wir hofften, dass Experten die Wahrheit schon ans Licht bringen würden. Doch zunehmend macht uns die Patientin Wahrheit Sorgen.

Wer ist für ihr Siechtum verantwortlich? Sind es die, die sie öffentlich mit Füßen treten, ist es der Fundamentalismus oder der Modernismus oder das Internet, in dem aus Fakten unversehens Daten werden? 

Lovis Corinths Lebenswerk wurde selbst Opfer der Lüge der Nazis, die seine Gemälde als „entartet“ diffamierten. Sein Bild „Ecce Homo“ und die dortige Darstellung des Pilatus irritiert und wirft Fragen auf: Statt in eine römische Toga kleidet er den Statthalter in den weißen Kittel eines Arztes oder Wissenschaftlers. Was genau er damit bezweckte, wissen wir nicht. Jedenfalls wird damit für uns die Frage der Rolle der Experten bei der Wahrheitssuche noch einmal aufgeworfen.

Eine zweite Beobachtung ist noch beunruhigender: Der Pilatus des Gemäldes trägt unverkennbar die Gesichtszüge des Malers. Was ist Wahrheit? Corinth fühlte sich offenbar herausgefordert.

„Wer aus der Wahrheit ist, der hört meine Stimme.“ Jesus

„Was ist Wahrheit?“ Pilatus 

Johannes 18,37+38

Das Ende des Auenlandes

„Die Hobbits nannten alles, was zum Hoheitsgebiet ihres Thains (d.i. das gewählte Oberhaupt der Hobbits) gehörte, das Auenland; und auf diesem behaglichen Fleckchen Erde richteten sie sich ein und gingen den achtbaren Geschäften ihres wohlgeregelten Lebens nach. Immer weniger kümmerten sie sich um die Welt ringsum, wo man dunklen Gestalten begegnen konnte, und schließlich meinten sie, dass Friede und Überfluss in Mittelerde die Regel seien und allen vernünftigen Leuten von Rechts wegen zustünden.“

(J.R.R. Tolkien, Der Herr der Ringe)

Lange vor der Herr-der-Ringe-Verfilmung durch Peter Jackson hatte ich ein Bild vom Auenland. Leider ist es unter dem Eindruck der imposanten Leinwand-Inszenierung verblichen. Ich weiß nur noch, dass mein Auenland ein wirklich schöner Ort war. (Nebenbei: Was passiert eigentlich mit all den Kostümen, Kulissen und Masken unserer Phantasie, nachdem wir uns die Verfilmungen unserer Lieblingsbücher angeschaut haben?) Die Vorstellung fiel mir überhaupt nicht schwer, vielleicht weil ich in einem Dörfchen an den nicht minder idyllischen Ederauen aufgewachsen bin.

Das Auenland taugt gewiss als Bild für Vieles, unsere Stimmung in Mitteleuropa erklärt es erstaunlich treffend. Nach dem Ende des Kalten Krieges machte sich eine große Erleichterung breit. Vielleicht würden wir nun ja doch unbeschwert und weitgehend sorgenfrei leben können. So gingen viele den (mehr oder weniger) „achtbaren Geschäften ihres wohlgeregelten Lebens nach“. Bald schien es, dass „Friede und Überfluss in Mitteleuropa die Regel seien“. Gegen diesen Traum ist gar nicht einzuwenden. Er wird so oder so wohl von jedem Menschen geträumt.

2001 zerbrach mit dem Anschlag auf das World-Trade-Center der Traum von Sicherheit. Wie sollte man sich von nun an schützen, wenn Attentäter nichts auf ihr Leben gaben? 

2008 führte die Insolvenz von Lehman Brothers zu weltweiten finanziellen Verwerfungen. Banken zeigten sich weit zerbrechlicher, als wir bisher angenommen hatten. 

2014 annektierte Russland die Krim. Ein kriegerischer Konflikt hatte mit der Ukraine die Grenze der EU erreicht. 

2015 reisten ca. 2 Mio. Flüchtlinge in die EU ein, die meisten kamen aus den kriegsgebeutelten Staaten Afghanistan, Irak und Syrien. 

Ende 2019 verbreitet sich das Corona-Virus von China aus über die ganze Welt. Es hat das Leben bis in die letzten idyllischen Winkel des Landes verändert, niemand ist vor ihm sicher. Doch es bedroht längst nicht mehr nur das Leben, sondern auch das gesellschaftliche Miteinander.

Unser behagliches Fleckchen Erde kann sich den Herausforderungen nicht entziehen, schützenswert ist es gleichwohl.

Foto: Blickfang, „Frühlingswiese“, CC-Lizenz (BY 2.0), https://creativecommons.org/licenses/by/2.0/de/deed.de, Quelle: www.piqs.de

Zitat: Klett-Cotta-Ausgabe, 9. Aufl. 2001, S. 21

Warum Gesellschaften untergehen

Bild 2: Der arkadische oder ländliche Zustand

„Jedes noch so gut aufgestellte Staatsgefüge trägt in sich die Saat seiner Zerstörung: Und, obschon sie wachsen und sich für eine gewisse Zeit vervollkommnen, werden sie sich schon bald sichtbar ihrem Verfall entgegen neigen. Jede Stunde ihres Bestehens ist eine Stunde weniger, die sie zu bestehen haben.“

Henry St. John (1738)

In seinem 1834 – 1836 entstandenen Gemäldezyklus „The Course of Empire“ zeichnet Thomas Cole den Aufstieg und Verfall einer Gesellschaft nach. Die fünfteilige Bilderreihe beginnt mit der wilden Phase, darauf folgt die ideale, ländliche Phase, darauf der äußerliche Höhepunkt, an den sich die Zerstörung und schließlich das Verschwinden des Menschen anschließen.

Die Vorstellung vom Aufstieg und Verfall einer Gesellschaft war im 19. Jahrhundert nicht neu. Bemerkenswert sind die Gründe, die Cole in seinem Zyklus andeutet: Bereits in der ländlichen Phase, quasi dem goldenen Zeitalter, trägt er am Bildrand die Gründe der späteren Zerstörung ein: Links nur schemenhaft erkennbar zwei Soldaten in silbern schimmernden Rüstungen, rechts der Stumpf eines einst mächtigen Baums.

Das nächste Bild ist zwar von kultureller Prachtentfaltung geprägt, doch das Militär ist allgegenwärtig, und die Natur ist auf Pflanzkübel und wenige Refugien beschränkt.

Bild 3: Die Vollendung des Reichs

Über dieses bunte Treiben bricht im vierten Gemälde der Krieg herein und zerstört alle menschliche Pracht. Zurück bleibt ein Ruinenfeld, das sich die vertriebene Natur zurückerobert.

5. Bild: Verlassenheit

Thomas Cole sieht in der Zerstörung der Natur einen Grund oder mindestens ein Indiz für die Zerstörung einer Kultur. Mit dieser Perspektive war er vermutlich nicht der Erste und dennoch den Meisten seiner Zeit weit voraus!

Strafe Gottes

Wenn ich aktuell „Strafe Gottes“ in meine Suchmaschine eingebe, haben die ersten Ergebnisseiten fast durchgängig mit Corona zu tun. In vorderster Front finden sich namhafte Bischöfe, die sich auszuschließen bemühen, dass die Pandemie etwas mit Gott zu tun haben könnte. Ein fast vergessen geglaubtes Thema hat es bis auf die Titelseiten geschafft. Ich staune über die Gewissheit, mit der sich hier zu Wort gemeldet wird. Immerhin ist Strafe Gottes ein wiederkehrendes, wenn auch nicht beherrschendes Thema der Bibel. Ja, Epidemien werden sogar ausdrücklich in der Liste möglicher Strafmaßnahmen geführt (5. Mose 28,59+60 u.a.).

Woher rührt der fast hektische Richtigstellungsreflex – weil nicht sein kann, was nicht sein darf? Doch zu bestreiten, dass Gott gelegentlich straft, klingt so aussichtslos wie zu ignorieren, dass Politessen von Zeit zu Zeit Strafzettel verteilen und Hunde, wenn auch selten, beißen.

Nach allem, was uns überliefert ist, müssen wir wohl dazu stehen, dass unser Gott auch straft, d.h. auf ein offenkundiges Fehlverhalten einen schwerwiegenden Nachteil folgen lässt. Das tut er längst nicht immer aber wohl auch nicht nie.

Die Schwierigkeit ist, dass wir eigentlich ständig hinter seinen guten Zielen zurückblieben, ob als einzelne, ob als Gesellschaften oder gar Weltgemeinschaft. Am komfortabelsten lässt sich über die globalen Versäumnisse lamentieren: wir verbrauchen die Ressourcen künftiger Generationen, wir schauen weg, um gute Geschäftspartner nicht zu vergraulen, wir zementieren Ungleichheit statt sie zu verringern. 

Nur wer will sagen können, ob eine Katastrophe, ein Krieg oder eine Krankheit eine (verdiente) Strafe oder einfach nur ein großes Unglück ist?

Als 1525 die Pest in Breslau wütete, wurde Martin Luther vom einem der dortigen Pfarrer um seine Einschätzung gebeten. Luther war selbst in dieser Zeit sehr angeschlagen und antwortete dadurch erst 1527 (veröffentlicht unter dem Titel „Ob man vor dem Sterben fliehen möge“). Mittlerweile war die Pest auch in Wittenberg angekommen, Luther blieb jedoch gegen den Wunsch seines Landesherrn in der Stadt, predigte und begleitete die Infizierten wie die Hinterbliebenen seelsorgerlich. 

Obwohl Luther es sonst nicht an Klarheit fehlen lässt, ist er in der Bewertung der Pest erstaunlich zurückhaltend. Ja, die Pest mag eine Strafe sein, doch verbindlich äußert er sich nicht. Luther denkt hier wohl an eine Art göttliche Zulassung: „der Feind (der Teufel) hat uns durch Gottes Verhängnis Gift und tödliche Krankheit herein geschickt“. Sinn und Zweck des Ganzen bleiben offen. Die Vorstellung eines göttlichen Mahnrufs scheint ihm fern zu liegen. Gott warnt und mahnt klar und deutlich durch sein Wort. Wozu bräuchte es da noch der Pest! 

Viel wichtiger ist ihm, wie die Menschen mit dieser Bedrohung umgehen. Sollen sie der Ausbreitung der todbringenden Krankheit passiv (= gottergeben) zuschauen? Das kann er nicht sehen. Alles Unglück ist erst einmal das zerstörerische Werk des Teufels und damit gegen das gottgeschenkte Lebensglück gerichtet. 

Deshalb wäre Ergebenheit grundfalsch. Luther vergleicht eine solche Haltung mit einem Menschen, der einem Brand zuschaut statt zu löschen und die Bewohner zu retten, oder mit einem anderen, der im Winter friert statt sich am Herd zu wärmen.

So geht Luther erstaunlich nüchtern und sachkundig mit der Epidemie um: Er sieht zum einen die Menschen mit einer seelsorgerlichen oder öffentlichen Verantwortung. Diese Verantwortung müssen sie wahrnehmen und dafür sogar gesundheitliche Risiken eingehen. Auch Ehepaare, Familienangehörige und Hofgemeinschaften sind füreinander verantwortlich. Dieses berechtigte Verantwortungsgefühl hat in den letzten Wochen manch einen zerrissen: Hygiene ist das eine, doch die Fürsorge für die (Beziehungs-) Bedürftigen ist ein ebenso hoher Wert.

Doch wer keine solche unmittelbare Verantwortung trägt, den sieht Luther frei, sich außer Gefahr zu bringen. Es hat fast etwas Amüsantes, welche biblischen Beispiele er für die Eigenverantwortung gegenüber dem eigenen Wohlergehen findet (Abraham, David, Elia). So mahnt Luther, die Häuser von Infizierten zu desinfizieren (in seiner Zeit geschah das durch Ausräuchern), Menschenansammlungen zu meiden und so „ein allgemeines Feuer gern dämpfen helfen“.

Wer diese Sicherheitsmaßnahmen nicht ernst nimmt, und sei es aus falsch verstandenem Glaubensmut, den kann er nur als „dummkühn“ bezeichnen. Wer sich hingegen fahrlässig und boshaftig als Infizierter unter Menschen begibt, der braucht nicht den Arzt, sondern „Meister Hans“ (den Henker).

So belegt die Rede von der Strafe Gottes in der christlichen Tradition ist, für mich bleibt sie im eigenen Leben blass und leer. Mir will einfach kein Beispiel einfallen. Klar, nicht alles ist rundgelaufen, doch Strafe konnte ich darin nie entdecken. Selbst in Momenten, wo ich dachte, jetzt wäre ein himmlischer Blitz durchaus angemessen, blieb der Himmel ruhig und Gott unverdient geduldig. Das mag anderen anders gehen. Ich habe Gott immer neu geduldig und freundlich erlebt. In Sachen Strafe Gottes fehlt mir jede biographische Kompetenz – was ich gern zugebe. 

Zweifel

Ich glaube; hilf meinem Unglauben!

Markus 9,24 – Jahreslosung 2020

Jesus, Petrus, Jakobus und Johannes kommen von einer Art Exkursion zurück und sind voller Eindrücke, die sie mit den anderen Jüngern teilen wollen. Doch dazu kommt es nicht: An ihrem Lagerplatz herrscht ein heilloses Durcheinander. Der Hintergrund war folgender: Ein Vater hatte seinen kranken Sohn zu den übrigen Jüngern gebracht, damit sie ihn heilen. Doch die Jünger wussten ihm nicht zu helfen. 

Jesus lässt sich die Krankengeschichte des Jungen erzählen: Er litt unter heftigen Anfällen und gefährdete damit sich und andere. Man kann sich vorstellen, wie verzweifelt sein Vater war und wie enttäuscht, dass ihm keiner weiterhelfen konnte.

Diese Enttäuschung klingt in den Worten nach, die er an Jesus richtet: „Wenn du kannst, dann hilf uns!“ Ob Jesus mehr draufhat als seine Azubis? Das Zutrauen des Mannes hatte einen Knacks bekommen. Und doch bittet er Jesus um Hilfe. Der spielt den Ball zurück und verweist auf die Macht des Vertrauens: „Wer glaubt, kann alles!“

Jesus hat seinen Satz noch nicht beendet, da bricht es aus dem Vater heraus: „Ich glaube; hilf meinem Unglauben!“ Der Mann will ja glauben. Er hofft, dass Jesus helfen kann. Und zugleich gehen ihm hundert Fragen durch den Kopf: Was, wenn Jesus ähnlich überfordert ist wie seine Jünger? Sein Glaube wackelt. 

Gibt es Vertrauen überhaupt ohne den Zweifel? Ist nicht jeder Glaube mit Fragen behaftet? Die Geschichte lässt das offen. Eins bleibt jedoch nicht offen: Jesus heilt den Sohn des zweifelnd glaubenden Vaters. Ihm reicht das. 

Ich muss mir nicht erst sicher sein, ich muss nicht alle drängenden Fragen geklärt haben, bevor ich Glaubenserfahrungen machen kann! Jesus nimmt auch mein wackliges Vertrauen ernst.

Nichts zu lachen?

(Bildrechte: Andreas Praefcke; https://creativecommons.org/licenses/by/3.0/legalcode)

Wer über die Bamberger Domstraße an St. Peter und Georg vorbeiläuft, dem streckt die Christusfigur über dem Fürstenportal segnend die Hände entgegen. Sie lädt zum Verweilen und Eintreten ein – leider wird diese Tür nur noch zu besonderen Anlässen geöffnet.

Ganz nebenbei positioniert sich der Bildhauer aus dem 13. Jahrhundert in einer damals heiß umstrittenen Frage, nämlich ob Jesus je gelacht habe und ob das seinen Nachfolgern gut anstehe.

Nach der gängigen Lehrmeinung sah man das Lachen eher kritisch. Johannes Chrysostomos hatte die Meinung vertreten, Jesus habe nicht gelacht, und seine Jünger sollten eher weinen und so ihre Bußfertigkeit ausdrücken. Benedikt von Nursia warnte in seiner Mönchsregel gleich mehrfach vor dem Lachen. Dem pflichtet Jorge von Burgos, der blinde Bibliothekar aus Umberto Ecos „Der Name der Rose“ bei: „Das Lachen dagegen schüttelt den Körper, entstellt die Gesichtszüge und macht die Menschen den Affen gleich.“

Eine Ausnahme bildete Franz von Assisi: „Zeigt in allen Leiden und denen gegenüber, die euch quälen, ein lächelndes Gesicht“.

Die Szene über dem Portal ist zweigeteilt – und auf beiden Seiten wird gelacht. Die Gruppe auf der rechten Seite wirkt amüsiert, doch ihr Lachen ist verkrampft und gekünstelt. Ihr Problem: Sie schauen den Betrachter an, sehen die Auslagen in den Geschäften und das bunte Treiben, doch den segnenden Christus sehen sie nicht.

Wie anders die linke Gruppe: Sie lachen befreit und vergnügt. Sie lachen, weil sie gesegnet sind. Ihr Blick ist auf Christus gerichtet, die Quelle ihrer Freude.

„Ich bin vergnügt, erlöst, befreit. Gott nahm in seine Hände meine Zeit.“

Hanns Dieter Hüsch

Josef, Marias Mann

Im Madrider Prado steht diese Darstellung der Anbetung der Heiligen drei Könige. Die stattlichen Männer erweisen dem frühreifen (selbst sitzenden) Jesus ihre Ehrerbietung. Den Platz an Marias Seite nimmt nicht etwa ihr Mann, sondern ein Esel ein. „Josef ist ein Esel, Josef ist ein Esel!“ Mit diesen Worten mögen Kinder vergangener Zeiten um das Altarbild herumgetollt sein. Und in der Tat: Josef hockt im Hintergrund, zusammengekauert am Feuer unter einem schäbigen Vordach. Hieronymus Bosch treibt die Demontage Josefs auf die Spitze. Er hat ihn aus der Krippenszene ausquartiert und zum Windelnwaschen angestellt! 

Wie konnte es nur soweit kommen, dass Josef, der „Sohn Davids“ (Matthäus 1,20), aus der Grundgeschichte des Christentums ausgeschieden wurde? Hat es die christliche (von Männern dominierte) Tradition nicht verwinden können, dass Josef seiner Verlobten ihre Affäre mit dem Heiligen Geist einfach durchgehen ließ? Konnte sie es nicht ertragen, dass hier ein Mann nur eine Nebenrolle spielte? Musste sie ihn verunglimpfen, weil er sich nicht durchsetzte wie ein Josef Ackermann oder ein Joseph („Joschka“) Fischer?

Dabei ist Josef ein durch und durch bemerkenswerter Mann, obwohl von ihm – anders als von seinem Adoptivsohn – kein einziger Satz überliefert ist. Er hat die große Kränkung – eine schwangere Verlobte – großherzig überwunden. Er hat Maria und ihr künftiges Kind in seine königliche Abstammung einbezogen und beiden damit ein respektiertes Leben ermöglicht. Diese Leistung wird nicht dadurch geschmälert, dass sie einem himmlischen Input folgte. Sich etwas sagen lassen können ist eine weitere Qualität dieses erstaunlichen Mannes.

Fragen

  • Was war der schönste Moment Ihres Lebens? Oder denken Sie, er kommt noch?
  • Macht es Sie traurig, wenn es Ihnen besser geht als einem anderen?
  • Gibt es einen Gedanken, den Sie nicht weiterzudenken wagen? Warum?
  • Mit wem sind Sie barmherziger – mit sich oder Ihrem besten Freund?
  • Wie lange pflegen Sie einen Gedanken, der Ihnen nicht guttut?
  • Welchen kleinen Veränderungsschritt trauen Sie sich gerade noch zu?
  • Was würden Sie Gott fragen, wenn Sie ihn treffen? Was würde er Sie fragen?
  • Was ist am aussichtsvollsten von allem, was Sie bisher aufgeschoben haben?
  • Wen mögen Sie mehr: a) einen tiefgründigen Kritiker? b) einen oberflächlichen Fan?
  • Wenn Sie einen Wunsch frei hätten: Wären Sie gerne a) schöner? b) klüger? c) erfolgreicher?
  • Wann tun Sie das, was Sie tun würden, wenn Sie nur noch einen Monat zu leben hätten?
  • Woran messen Sie Erfolg: a) an der Zustimmung? b) am Widerstand?
  • Welcher Gedanke vermag Sie immer wieder zu erfreuen?