Schäferblog

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Autor: schaefer83a@t-online.de

Nichts zu lachen?

(Bildrechte: Andreas Praefcke; https://creativecommons.org/licenses/by/3.0/legalcode)

Wer über die Bamberger Domstraße an St. Peter und Georg vorbeiläuft, dem streckt die Christusfigur über dem Fürstenportal segnend die Hände entgegen. Sie lädt zum Verweilen und Eintreten ein – leider wird diese Tür nur noch zu besonderen Anlässen geöffnet.

Ganz nebenbei positioniert sich der Bildhauer aus dem 13. Jahrhundert in einer damals heiß umstrittenen Frage, nämlich ob Jesus je gelacht habe und ob das seinen Nachfolgern gut anstehe.

Nach der gängigen Lehrmeinung sah man das Lachen eher kritisch. Johannes Chrysostomos hatte die Meinung vertreten, Jesus habe nicht gelacht, und seine Jünger sollten eher weinen und so ihre Bußfertigkeit ausdrücken. Benedikt von Nursia warnte in seiner Mönchsregel gleich mehrfach vor dem Lachen. Dem pflichtet Jorge von Burgos, der blinde Bibliothekar aus Umberto Ecos „Der Name der Rose“ bei: „Das Lachen dagegen schüttelt den Körper, entstellt die Gesichtszüge und macht die Menschen den Affen gleich.“

Eine Ausnahme bildete Franz von Assisi: „Zeigt in allen Leiden und denen gegenüber, die euch quälen, ein lächelndes Gesicht“.

Die Szene über dem Portal ist zweigeteilt – und auf beiden Seiten wird gelacht. Die Gruppe auf der rechten Seite wirkt amüsiert, doch ihr Lachen ist verkrampft und gekünstelt. Ihr Problem: Sie schauen den Betrachter an, sehen die Auslagen in den Geschäften und das bunte Treiben, doch den segnenden Christus sehen sie nicht.

Wie anders die linke Gruppe: Sie lachen befreit und vergnügt. Sie lachen, weil sie gesegnet sind. Ihr Blick ist auf Christus gerichtet, die Quelle ihrer Freude.

„Ich bin vergnügt, erlöst, befreit. Gott nahm in seine Hände meine Zeit.“

Hanns Dieter Hüsch

Josef, Marias Mann

Im Madrider Prado steht diese Darstellung der Anbetung der Heiligen drei Könige. Die stattlichen Männer erweisen dem frühreifen (selbst sitzenden) Jesus ihre Ehrerbietung. Den Platz an Marias Seite nimmt nicht etwa ihr Mann, sondern ein Esel ein. „Josef ist ein Esel, Josef ist ein Esel!“ Mit diesen Worten mögen Kinder vergangener Zeiten um das Altarbild herumgetollt sein. Und in der Tat: Josef hockt im Hintergrund, zusammengekauert am Feuer unter einem schäbigen Vordach. Hieronymus Bosch treibt die Demontage Josefs auf die Spitze. Er hat ihn aus der Krippenszene ausquartiert und zum Windelnwaschen angestellt! 

Wie konnte es nur soweit kommen, dass Josef, der „Sohn Davids“ (Matthäus 1,20), aus der Grundgeschichte des Christentums ausgeschieden wurde? Hat es die christliche (von Männern dominierte) Tradition nicht verwinden können, dass Josef seiner Verlobten ihre Affäre mit dem Heiligen Geist einfach durchgehen ließ? Konnte sie es nicht ertragen, dass hier ein Mann nur eine Nebenrolle spielte? Musste sie ihn verunglimpfen, weil er sich nicht durchsetzte wie ein Josef Ackermann oder ein Joseph („Joschka“) Fischer?

Dabei ist Josef ein durch und durch bemerkenswerter Mann, obwohl von ihm – anders als von seinem Adoptivsohn – kein einziger Satz überliefert ist. Er hat die große Kränkung – eine schwangere Verlobte – großherzig überwunden. Er hat Maria und ihr künftiges Kind in seine königliche Abstammung einbezogen und beiden damit ein respektiertes Leben ermöglicht. Diese Leistung wird nicht dadurch geschmälert, dass sie einem himmlischen Input folgte. Sich etwas sagen lassen können ist eine weitere Qualität dieses erstaunlichen Mannes.

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Thema von Anders Norén.