Mittlerweile haben wohl schon die meisten vom neuen sagenumwobenen Schaf-Virus gehört. Nachdem Thomas Stolz Hobbyschafhalter aus Niedersachsen in seinem Google+ Profil einige aktuelle Zeitungsartikel zum Thema geteilt hat, ein Bekannter von einem österreichischen Bauern auf das Thema angesprochen wurde und ich gerade Heute gehört habe das auch der Betrieb einer ehemaligen Kollegin betroffen ist, habe ich mich entschlossen mich ein bisschen ins Thema einzulesen.

Das Schmallenberg-Virus ist ein Virus der Spezies Orthobunyavirus die in Afrika, Australien und Asien vorkommen. Neben Schafen sind auch Rinder und Ziegen betroffen. In Deutschland konnte das Schmallenberg-Virus erstmals im November 2011 nachgewiesen werden. Neben Deutschland sind auch die Niederlande, England, Belgien, Frankreich, Italien und Luxemburg betroffen.

Das Schmallenberg-Virus wird vermutlich vor allem von Mücken (Aedes, Anopheles) und Gnitzen (Culicoides) übetragen. Eine Ansteckung durch missgebildete Lämmer kann zur Zeit jedoch nicht ausgeschlossen werden. Während Rinder Symptome wie Fieber, starker Milchrückgang und Durchfälle kurze Zeit nach Ausbruch zeigen, sind beim Schaf bisher keine eindeutigen Symptome bekannt.

missgebildetes Lamm

Infiziert sich ein tragendes Schaf bis zum 50 Tag der Trächtigkeit, wird jedoch das oder die ungeborenen Lämmer in Mitleidenschaft gezogen und es kommt zu Aborten und schweren Missbildungen sowie der Geburt lebensschwacher Lämmer. Häufig auftretende Missbildungen und damit ein Anzeichen für einen Befall des Bestandes sind Gelenkssteife, Sehenverkürzung, Schiefhälse oder ein Wasserkopf. Durch die Missbildungen ist es sehr wahrscheinlich, dass es zu einer erhöhten Anzahl von Schwergeburten kommt. Die teilweise stark verkrümmten Glieder der Lämmer sind nach dem Bericht eines Bekannten sehr hart so das den abgestorbenen Lämmern noch im Mutterleib die Beine gebrochen werden müssen um das Mutterschaf zu retten.

Neben den finanziellen Schäden durch die abgestorbenen Lämmer und dem erhöhten Zeitbedarf ist somit auch mit einer höheren Anzahl von Mutterschafen mit schwerwiegenden Gebärmutterverletzungen zu rechen.

Eine ständige Beobachtung der lammenden Schafe ist also dringend anzuraten.
Ein Nachweiß beim Schaf ist eigentlich nur über Gehirnproben der totgeborenen oder verstorbenen Lämmer möglich da Blutproben beim Mutterschaf direkt nach der „symptomfreien“ Infektion entnommen werden müssten.

Je früher die Infektion der ungeborenen Lämmer stattfindet um so schlimmer sind die Folgen. Nach dem 50 Tag der Trächtigkeit wird eine Infektion der Lämmer durch die Immunsperre verhindert. Immunkörper werden nach der Geburt über die Biestmilch an das Lamm weitergegeben.

Der Grund warum der Schmallenberg-Virus gerade so Wellen schlägt, ist das momentan die Lammzeiten der Schafe beginnen die sich im letzten Sommer angesteckt haben. Unsere Lammzeit beginnt Mitte Februar und ich hoffe das wir verschont bleiben; bisher sind jedoch nur Fälle in Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Hessen und Thüringen bekannt geworden.

Was unternehmen bei missgebildeten Lämmern?

Unbedingt dem Tierarzt melden und besser noch bei der zuständigen Landesuntersuchunganstalt anrufen und den Verdacht melden. Diese werden einen dann möglicherweise das Lamm vorbeizubringen. Zur Zeit drohen keine schließungen der eigenen Schafhaltung.

Vorschaubild der Schmallenberg-Virus Linkliste.Das Bundeslandwirtschaftsministerium hat in einem Eilantrag eine Meldepflicht beantragt. Nachdem der Bundesrat dies durchgewunken hat, ist mit einer Meldepflicht ab April 2012 zu rechnen. Dies ist Voraussetzung für eine Entschädigung betroffener Tierhalter. Zur Zeit setzen sich Deutschland und die Niederlande für eine Meldepflicht auf europäischer Ebene ein.

Wie kann ich meine Schafe schützen?

Momentan gibt es keinen Impfstoff. Das Friedrich-Loeffler-Institut hat alle ihm zur Verfügung stehenden Informationen freigegeben und das Rennen um einen Impfstoff hat begonnen. Jedoch kann es 18 Monate dauern bis dieser zur Verfügung steht. Da wir gerade Winter haben ist die Ansteckung durch Mücken und Gnitzen ziemlich unwahrscheinlich. Im Frühjahr könnt man seine Tiere dann aber mit einem Ektoparasitenmittel behandeln das wenigstens einen kleinen Schutz vor Mücken bietet. Geeignete Mittel z.B. Butox können über den Tierarzt bezogen werden.

Eine Andere Möglichkeit ist die Rittzeit zu verschieben um so das Risiko eine Ansteckung zu minimieren. Wir sollten jetzt aber nicht alle in Panik geraten. Wie gesagt wir haben Winter und eine Ansteckung ist unwahrscheinlich. Da unbekannt ist ob beim Schmallenberg-Virus auch die missgebildeten Lämmer ansteckend sind sollt man dies sofort isolieren und bei Häufungen den Tierarzt benachrichtigen.

Ständig aktuelle Informationen zum Schmallenberg-Virus findet ihr auf der Seite des Friedrich-Loeffler-Instituts. Seit kurzem ist dort auch eine Tabelle mit den bisher in Deutschland betroffenen Betrieben zu finden.

Weitere interessante Links zum Schmallenberg-Virus findet ihr in einer von mir gepflegten Linkliste auf delicious. Dort könnt ihr mir auch gerne weitere Links vorschlagen über die ihr gestolpert seit.

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2 Responses to Das Schmallenberg-Virus

  1. de Vries sagt:

    Das hört sich ja gruselig an, habe davon auch in der Hannoverschen Presse gelesen.

    • Sven de Vries Sven de Vries sagt:

      Gerade läuft das wie Wild durch die Presse. Wir werden zu den Lammzeiten sehen wie schlimm es wirklich ist. Mach dir keine Sorgen Mama ich bin guter Dinge, dass wir verschont bleiben.

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