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Zweifel

Ich glaube; hilf meinem Unglauben!

Markus 9,24 – Jahreslosung 2020

Jesus, Petrus, Jakobus und Johannes kommen von einer Art Exkursion zurück und sind voller Eindrücke, die sie mit den anderen Jüngern teilen wollen. Doch dazu kommt es nicht: An ihrem Lagerplatz herrscht ein heilloses Durcheinander. Der Hintergrund war folgender: Ein Vater hatte seinen kranken Sohn zu den übrigen Jüngern gebracht, damit sie ihn heilen. Doch die Jünger wussten ihm nicht zu helfen. 

Jesus lässt sich die Krankengeschichte des Jungen erzählen: Er litt unter heftigen Anfällen und gefährdete damit sich und andere. Man kann sich vorstellen, wie verzweifelt sein Vater war und wie enttäuscht, dass ihm keiner weiterhelfen konnte.

Diese Enttäuschung klingt in den Worten nach, die er an Jesus richtet: „Wenn du kannst, dann hilf uns!“ Ob Jesus mehr draufhat als seine Azubis? Das Zutrauen des Mannes hatte einen Knacks bekommen. Und doch bittet er Jesus um Hilfe. Der spielt den Ball zurück und verweist auf die Macht des Vertrauens: „Wer glaubt, kann alles!“

Jesus hat seinen Satz noch nicht beendet, da bricht es aus dem Vater heraus: „Ich glaube; hilf meinem Unglauben!“ Der Mann will ja glauben. Er hofft, dass Jesus helfen kann. Und zugleich gehen ihm hundert Fragen durch den Kopf: Was, wenn Jesus ähnlich überfordert ist wie seine Jünger? Sein Glaube wackelt. 

Gibt es Vertrauen überhaupt ohne den Zweifel? Ist nicht jeder Glaube mit Fragen behaftet? Die Geschichte lässt das offen. Eins bleibt jedoch nicht offen: Jesus heilt den Sohn des zweifelnd glaubenden Vaters. Ihm reicht das. 

Ich muss mir nicht erst sicher sein, ich muss nicht alle drängenden Fragen geklärt haben, bevor ich Glaubenserfahrungen machen kann! Jesus nimmt auch mein wackliges Vertrauen ernst.

Nichts zu lachen?

(Bildrechte: Andreas Praefcke; https://creativecommons.org/licenses/by/3.0/legalcode)

Wer über die Bamberger Domstraße an St. Peter und Georg vorbeiläuft, dem streckt die Christusfigur über dem Fürstenportal segnend die Hände entgegen. Sie lädt zum Verweilen und Eintreten ein – leider wird diese Tür nur noch zu besonderen Anlässen geöffnet.

Ganz nebenbei positioniert sich der Bildhauer aus dem 13. Jahrhundert in einer damals heiß umstrittenen Frage, nämlich ob Jesus je gelacht habe und ob das seinen Nachfolgern gut anstehe.

Nach der gängigen Lehrmeinung sah man das Lachen eher kritisch. Johannes Chrysostomos hatte die Meinung vertreten, Jesus habe nicht gelacht, und seine Jünger sollten eher weinen und so ihre Bußfertigkeit ausdrücken. Benedikt von Nursia warnte in seiner Mönchsregel gleich mehrfach vor dem Lachen. Dem pflichtet Jorge von Burgos, der blinde Bibliothekar aus Umberto Ecos „Der Name der Rose“ bei: „Das Lachen dagegen schüttelt den Körper, entstellt die Gesichtszüge und macht die Menschen den Affen gleich.“

Eine Ausnahme bildete Franz von Assisi: „Zeigt in allen Leiden und denen gegenüber, die euch quälen, ein lächelndes Gesicht“.

Die Szene über dem Portal ist zweigeteilt – und auf beiden Seiten wird gelacht. Die Gruppe auf der rechten Seite wirkt amüsiert, doch ihr Lachen ist verkrampft und gekünstelt. Ihr Problem: Sie schauen den Betrachter an, sehen die Auslagen in den Geschäften und das bunte Treiben, doch den segnenden Christus sehen sie nicht.

Wie anders die linke Gruppe: Sie lachen befreit und vergnügt. Sie lachen, weil sie gesegnet sind. Ihr Blick ist auf Christus gerichtet, die Quelle ihrer Freude.

„Ich bin vergnügt, erlöst, befreit. Gott nahm in seine Hände meine Zeit.“

Hanns Dieter Hüsch

Josef, Marias Mann

Im Madrider Prado steht diese Darstellung der Anbetung der Heiligen drei Könige. Die stattlichen Männer erweisen dem frühreifen (selbst sitzenden) Jesus ihre Ehrerbietung. Den Platz an Marias Seite nimmt nicht etwa ihr Mann, sondern ein Esel ein. „Josef ist ein Esel, Josef ist ein Esel!“ Mit diesen Worten mögen Kinder vergangener Zeiten um das Altarbild herumgetollt sein. Und in der Tat: Josef hockt im Hintergrund, zusammengekauert am Feuer unter einem schäbigen Vordach. Hieronymus Bosch treibt die Demontage Josefs auf die Spitze. Er hat ihn aus der Krippenszene ausquartiert und zum Windelnwaschen angestellt! 

Wie konnte es nur soweit kommen, dass Josef, der „Sohn Davids“ (Matthäus 1,20), aus der Grundgeschichte des Christentums ausgeschieden wurde? Hat es die christliche (von Männern dominierte) Tradition nicht verwinden können, dass Josef seiner Verlobten ihre Affäre mit dem Heiligen Geist einfach durchgehen ließ? Konnte sie es nicht ertragen, dass hier ein Mann nur eine Nebenrolle spielte? Musste sie ihn verunglimpfen, weil er sich nicht durchsetzte wie ein Josef Ackermann oder ein Joseph („Joschka“) Fischer?

Dabei ist Josef ein durch und durch bemerkenswerter Mann, obwohl von ihm – anders als von seinem Adoptivsohn – kein einziger Satz überliefert ist. Er hat die große Kränkung – eine schwangere Verlobte – großherzig überwunden. Er hat Maria und ihr künftiges Kind in seine königliche Abstammung einbezogen und beiden damit ein respektiertes Leben ermöglicht. Diese Leistung wird nicht dadurch geschmälert, dass sie einem himmlischen Input folgte. Sich etwas sagen lassen können ist eine weitere Qualität dieses erstaunlichen Mannes.

Fragen

  • Was war der schönste Moment Ihres Lebens? Oder denken Sie, er kommt noch?
  • Macht es Sie traurig, wenn es Ihnen besser geht als einem anderen?
  • Gibt es einen Gedanken, den Sie nicht weiterzudenken wagen? Warum?
  • Mit wem sind Sie barmherziger – mit sich oder Ihrem besten Freund?
  • Wie lange pflegen Sie einen Gedanken, der Ihnen nicht guttut?
  • Welchen kleinen Veränderungsschritt trauen Sie sich gerade noch zu?
  • Was würden Sie Gott fragen, wenn Sie ihn treffen? Was würde er Sie fragen?
  • Was ist am aussichtsvollsten von allem, was Sie bisher aufgeschoben haben?
  • Wen mögen Sie mehr: a) einen tiefgründigen Kritiker? b) einen oberflächlichen Fan?
  • Wenn Sie einen Wunsch frei hätten: Wären Sie gerne a) schöner? b) klüger? c) erfolgreicher?
  • Wann tun Sie das, was Sie tun würden, wenn Sie nur noch einen Monat zu leben hätten?
  • Woran messen Sie Erfolg: a) an der Zustimmung? b) am Widerstand?
  • Welcher Gedanke vermag Sie immer wieder zu erfreuen?

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